Sehr geehrte Damen und Herren,

 

der Senat von Berlin setzt sich seit geraumer Zeit dafür ein, jeder Form von Diskriminierung zu begegnen. Um dies auch nach außen erkennbar werden zu lassen führt die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung erstmals den Bereich der Antidiskriminierung im Namen des Hauses. Diskriminierung findet in vielen gesellschaftlichen Bereichen statt. Ein nicht zu vernachlässigender Teil davon betrifft Anfeindungen gegen Lesben, Schwule, trans*gender und trans*indente Personen, Bisexuelle und Intersexuelle - kurz LSBTTI*. Oft werden Menschen allein wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer sexuellen Identität öffentlich angefeindet oder zum Ziel körperlicher Übergriffe. Tätern, die der sogenannten heteronormativen Zivilgesellschaft entstammen, muss signalisiert werden, dass ihr Verhalten nicht toleriert wird. Opfer wiederum haben einen Anspruch darauf, vom Staat geschützt zu werden. Dieser staatliche Schutz kann jedoch nur einsetzen, wenn Opfer von Hasskriminalität eine Strafanzeige erstatten, denn nur dann ist eine Strafverfolgung überhaupt möglich. Wir dürfen nicht vergessen, dass bis zum Jahr 1994 homosexuelle Handlungen unter bestimmten Voraussetzungen strafbar waren - der berüchtigte Paragraph 175. Über Jahrzehnte waren Homosexuelle der Strafverfolgung ausgesetzt und wurden verurteilt. Erst in diesem Jahr hat der Deutsche Bundestag, übrigens auf Initiative Berlins, das Gesetz verabschiedet, mit dem diese Unrechtsurteile aufgehoben werden und den zu Unrecht Verurteilten eine Entschädigung zugesprochen wird. Es gilt also, Vertrauen in die Justiz aufzubauen. Bei der Staatsanwaltschaft Berlin werden alle Ermittlungsverfahren der homo- und transfeindlichen Hasskriminalität in einer Abteilung bearbeitet. Wurden Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung oder leichterer Körperverletzungen früher oftmals „wegen Geringfügigkeit“ eingestellt oder die Anzeigenden auf den Privatklageweg verwiesen, wird jetzt stets das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung angenommen. Geschädigten wird damit gezeigt, dass das ihnen angetane Leid ernst genommen wird.

 

Seit 2012 gibt es bei der Staatsanwaltschaft Berlin Ansprechpersonen für LSBTTI*. Sie hat damit eine Vorreiterrolle, denn sie ist nach wie vor die einzige deutsche Staatsanwaltschaft, die über solche Ansprechpersonen verfügt. Sie sind in der Community aktiv, gut vernetzt, auch bundesweit, und arbeiten selbstverständlich auch mit Vereinen eng zusammen, die sich für die Belange von LSBTTI*-Menschen einsetzen - auch und gerade mit MANEO.

 

Homo- und trans*feindliche Hasskriminalität ist letztlich die Steigerung massiver Vorurteile und Ablehnung. Beides wird durch Ausgrenzung gefördert. Die Bildung von „Gay-Straight-Alliances“ auf allen gesellschaftlichen Ebenen, also Bündnissen zwischen dem LSBTTI*-Spektrum und der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft, trägt dazu bei, Verständnis und Akzeptanz zu schaffen.

 

In den drei Themenkomplexen der International MANEO Conference 2017 können Fachleute in Vorträgen und Workshops alle Themenbereiche in professioneller Weise beleuchten.

 

Ich wünsche der Konferenz einen sehr erfolgreichen Verlauf.

 

Dr. Dirk Behrendt


Ladies and gentlemen,

 

The Berlin Senate has been committed to tackling all forms of discrimination for some time now. To make this visible to the outside world, the Senate Department for Justice, Consumer Protection and Anti-discrimination is now leading on the issue of anti-discrimination on the Senate’s behalf for the first time. Discrimination occurs in many areas of society. A substantial part of it is hostility against lesbian, gay, bisexual, trans*gender, trans*sexual and intersexual (LGBTTI*) people. People are often subjected to public hostility on account of their sexual orientation or identity, or targeted for physical abuse. While the perpetrators, from hetero-normative civil society, must learn that their behaviour will not be tolerated, victims must also know that they have a right to be protected by the state. However, state protection can only be provided if victims of hate crime lodge a criminal complaint, as only then is it possible to enforce the law. We shouldn’t forget that homosexual activities were punishable offences under certain conditions until 1994 – the infamous Paragraph 175. For decades, homosexual men were subjected to criminal prosecution and sentenced. It was only this year that the German Bundestag, on Berlin’s initiative, passed a law to quash all these unfair sentences and award compensation to those who had been unfairly sentenced. So there’s a need to build trust in the justice system. All investigations into homophonic and trans*phobic hate crime are handled by a department at the Public Prosecutor’s Office. If investigations into insults or wounding were often stopped in the past “due to insignificance”, or the party filing the complaint was encouraged to take private legal action, criminal prosecution in the public interest is now always assumed today. Injured parties can thus see that the harm done to them is being taken seriously.

 

The Berlin Public Prosecutor’s Office has had LGBTTI* liaison officers since 2012. It has a pioneering role to play, as it remains the only Public Prosecution Office in Germany to have such officers. They are active in the community, well networked, including nationally, and of course work closely with clubs and associations – including MANEO – that deal with the concerns of LGBTTI* people.

 

Homophobic and trans*phobic hate crime is ultimately a more serious form of massive prejudice and rejection. Both are promoted by marginalisation. The formation of gay-straight alliances between the LGBTTI* spectrum and the hetero-normative majority society contributes to understanding and acceptance.

 

The International MANEO Conference 2017 gives specialist guests an opportunity to examine all aspects of three topic areas in a professional way in lectures and workshops.

 

I wish the conference every success!

 

Dr Dirk Behrendt