Am 30.11. und 01.12.2017 laden wir zu einer weiteren internationalen Fachkonferenz ein, die unter dem Thema steht: „Bündnisse schaffen. Ausgrenzung und vorurteilsmotivierte Kriminalität gegen LSBT* verhindern. Gewaltprävention zwischen Selbsthilfe und Professionalität“. Die Konferenz findet am Ende unserer dreijährigen, aus Lottomitteln-geförderten ‚MANEO-Empowerment-Kampagne‘ statt und konzentriert unsere bisherige Diskussionen und Arbeitsergebnisse auf konkrete Fragestellungen.

 

Als Anti-Gewalt-Projekt, das vor 27 Jahren einst aus der Selbsthilfe entstand – als der Strafparagraph 175 noch existierte, die ‚AIDS-Krise‘ die gesellschaftliche Emanzipationsarbeit bedrohte und staatliche Förderung kaum denkbar war – bestanden wir Dank der Ressource Ehrenamt. Es gelang uns, Netzwerke zu bilden und Bündnisse zu schließen, und regelmäßig staatliche Zuwendungen zu erstreiten, während wir zeitgleich Qualifizierung, Qualitätssicherung und Anschluss an fachlichen Diskussionen suchten. Es war klar, dass unsere Arbeit nur Bestand haben würde, wenn wir es schafften, unsere Arbeit professionell auszubauen und in einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess zu bringen. In Berlin hatten wir auch politisches Glück. Unsere Arbeit erhielt Anerkennung und die knappbemessenen Zuwendungen wurden nicht gekürzt. Es dauerte jedoch 19 weitere Jahre bis unsere einzige hauptamtliche Stelle um eine weitere Dreiviertel-Stelle aufgestockt wurde. Bei der Polizei fiel bereits 2006 die Entscheidung, den Stellenpool zu erweitern. 2012 wurden dann auch zwei Ansprechpersonen bei der Berliner Staatsanwaltschaft eingesetzt. Seit dem verstärken sich Dialog, Aufklärung und Kooperationen, ebenso Qualität und Professionalität. Damit erhöhen sich die Meldungen über erfasste Zahlen in Berlin stetig.

 

Doch wo ist heute die professionelle, zielgruppenspezifische LSBT*-Anti-Gewalt-Arbeit in Berlin im Vergleich zu anderen Regionen angekommen? In welchem Beziehungs- und Arbeitsverhältnis stehen die LSBT*-Anti-Gewalt-Projekte gegenüber den LSBT*-Ansprechpersonen bei der Polizei? Gibt es den fachlichen Dialog und den Austausch zwischen LSBT*-Anti-Gewalt-Projekten und den LSBT*-Ansprechpersonen bei der Polizei, um Gewaltbetroffene zu unterstützen und das Dunkelfeld nicht angezeigter Taten zu erhellen, wenn wir gleichzeitig konstatieren müssen, dass solche, mit öffentlichen Mitteln geförderten Ansprechpersonen kaum existieren. Wo liegen die Ursachen, wenn die Politik diese Arbeit kaum wahr- und ernst nimmt? Wie können wir gegebenenfalls Allianzen verbessern und stärken und Dialogfähigkeit verbessern und intensivieren?

 

In unseren Diskussionen wollen wir auch in Wirtschaftsbereiche blicken, in denen sich solidarische ‚Gay-Straight-Alliances‘ entwickelt haben. Dabei geht es um Know-How und Erfahrungen von Menschen, die sich in ihren Betrieben mit Diversität und Vielfalt beschäftigen und dabei Kommunikationsstrategien und Kompetenzen entwickeln, um sowohl Menschen in ihren Betrieben für solidarisches Handeln zu gewinnen als auch Kunden, die sie in ihrer Diversität ansprechen und zu erreichen versuchen. Wir wollen Erfahrungen und Erkenntnisse für unsere Anti-Gewalt-Arbeit nutzen, die unsere Bündnisarbeit unterstützen und mit denen wir eine optimale Breitenwirkung erzielen können.

 

Ich möchte mich bei der Berliner Senatskanzlei bedanken, dass wir für zwei Tage Gäste im Berliner Rathaus sein dürfen, außerdem bei unseren Kooperationspartnern, die unsere Fachveranstaltung unterstützen.

From 30 November to 1 December 2017, we are holding another international conference of experts, this time on the topic of “Building alliances. Preventing exclusion and prejudice-motivated crime against LGBT* people. Violence prevention between self-help and professionalism.” The conference is taking place at the end of our three-year MANEO Empowerment Campaign, which has been funded by lottery money, and focuses our previous discussions and work results on concrete questions.

 

Our anti-violence project, which emerged from self-help 27 years ago – when Paragraph 175 of the German Criminal Code still existed, the ‘AIDS crisis’ threatened social emancipation work and public funding was scarcely conceivable – existed thanks to voluntary support. We succeeded in building networks, forging alliances and obtaining regular public funding, while at the same time seeking qualification, quality assurance and access to specialist discussions. It was clear that our work would only endure if we managed to develop it continuously along professional lines. In Berlin, we also had political good fortune. Our work received recognition and no cuts were made to our tight funding. It took another 19 years until our single full-time post was supplemented by a 75% part-time position. In 2006, Berlin Police expanded its job pool, and in 2012 two liaison officers were appointed at Berlin’s Public Prosecutor’s Office. Dialogue, information and co-operation have strengthened since then, as have quality and professionalism, which means that announcements about recorded figures are increasing constantly in Berlin.

 

But where is today’s professional, target group-specific LGBT* anti-violence work in Berlin in comparison with other regions? What is the relationship – including the working relationship – between LGBT* anti-violence projects and LGBT* liaison officers at police forces? Is there a specialist dialogue and an exchange of information and ideas between LGBT* anti-violence projects and LGBT* liaison officers at police forces in order to support crime victims and shed light on the ‘dark field’ of unreported crime if at the same time it’s clear that such publicly funded liaison officers barely exist? What are the causes of politicians failing to notice this work and take it seriously? How can we improve and strengthen alliances where necessary, and improve and intensify the ability for dialogue?

 

In our discussions, we also want to look at economic sectors in which supportive Gay-Straight Alliances have developed. We’re interested in the expertise and experiences of people who are involved with diversity in their companies, and develop communication strategies and competencies in order to engage people in their companies in solidarity-based activities on the one hand, and win customers who they address in their diversity and try to reach out to on the other. We want to use experiences and knowledge that support our alliance activities in our anti-violence work, and with them achieve the broadest impact possible.

 

I would like to thank the Berlin Senate Chancellery for allowing us to spend two days in Berlin City Hall and also our co-operation partners who are supporting our specialist event.