Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

 

herzlich willkommen in Berlin!

 

Auch im Jahr 2017 werden weltweit Menschen auf Grund ihrer sexuellen Orientierung Opfer von Diskriminierung, von Ausgrenzung, Hass und Gewalt. Dem stellt sich die deutsche Menschenrechtspolitik entschieden entgegen. So unterstützt das Auswärtige Amt LGBTI-Projekte in aller Welt. In Westafrika und Zentralamerika finanzieren wir die systematische Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen an Schwulen; bei Projekten in Russland und Indonesien steht der Schutz bedrohter LGBTI-Aktivistinnen und -Aktivisten im Vordergrund; in der Ukraine, im Baltikum und im Maghreb helfen wir mit, eine breite Öffentlichkeit für Vielfalt und Toleranz zu gewinnen.

 

Wir wollen aber nicht nur in die Ferne blicken – denn Diskriminierung und Gewalt gibt es auch hier. Auch deshalb brauchen wir einen intensiven Austausch über erfolgreiche Gegenstrategien. Gemeinsam wollen wir sicherstellen, dass das Versprechen gleicher Rechte für alle gilt, unabhängig von Geschlecht und sexueller Identität. In Berlin, Bad Hersfeld und in aller Welt. Auf dem Papier und in der Lebenswirklichkeit der Menschen.

 

Wie steht es im Herbst 2017 um die LGBTI-Rechte weltweit? Einerseits konnten wir uns in den vergangenen Jahren über enorme Fortschritte freuen. In einer Reihe von Staaten, vor allem in Europa und Lateinamerika, wurde die Gleichberechtigung von LGBTI gesetzlich verankert, wurden Gesetze gegen Diskriminierung und Hate Speech erlassen. Vor wenigen Wochen konnten – endlich! – auch in Deutschland die ersten gleichgeschlechtlichen Paare heiraten. Andererseits gibt es immer wieder Rückschläge. Ich denke etwa an die brutale Verfolgung von Schwulen in Tschetschenien. In vielen Staaten steht Homosexualität unter Strafe, in einigen Ländern droht Schwulen gar die Todesstrafe. Und selbst dort, wo Gleichberechtigung im Gesetz verankert ist, ist sie in den Köpfen noch längst keine Selbstverständlichkeit.

 

Gerade Berlin verkörpert diese Widersprüche in besonderer Weise: Einerseits eine Metropole, die gerade in der LGBTI-Community geschätzt wird für ihre offene Gesprächskultur und ihre Toleranz für verschiedene Lebensmodelle. Andererseits gibt es auch in Berlin immer wieder Gewalttaten gegen LGBTI, gibt es Viertel, in denen homophobe Ansichten weit verbreitet sind, in denen rückwärtsgewandte Parteien Wahlen gewinnen.

 

Bei der Frage nach wirksamen Gegenstrategien wird es die eine Patentlösung nicht geben. Eines aber gilt überall auf der Welt: Von alleine wird der Fortschritt nicht kommen. Er kommt dank des Engagements von Menschen wie Ihnen, die sich mit Kreativität und Beharrlichkeit, mit Idealismus und vor allem Mut unermüdlich für eine Welt einsetzen, in der alle die gleichen Menschenrechte und den gleichen Respekt genießen. Auch wir im Auswärtigen Amt können und müssen noch mehr tun. Dafür brauchen wir Ihre kritische Begleitung und tatkräftige Unterstützung!

Ich wünsche Ihnen inspirierende Diskussionen, eine gute Zeit in Berlin und viel Erfolg!

 

Michael Roth


Ladies and gentlemen,

 

Welcome to Berlin!

 

Even in 2017, people across the world experience discrimination, exclusion, hate and violence due to their sexual orientation. German human rights policy is taking a decisive stand to combat this. The Federal Foreign Office supports LGBTI projects throughout the world. In West Africa and Central America we are financing the systematic documentation of infringements of the human rights of homosexuals; projects in Russia and Indonesia focus on the protection of LGBTI activists under threat; in Ukraine, the Baltic region and the Maghreb we are working to encourage widespread support for diversity and tolerance.

 

Yet we do not just want to look further afield – for here, too, there is discrimination and violence. That is another reason why we need intensive exchange on successful counterstrategies. Together, we want to ensure that the promise of equal rights for all applies regardless of gender and sexual identity. In Berlin, Bad Hersfeld and throughout the world. Both on paper and in people’s day-to-day lives.

 

What is the situation with regard to LGBTI rights worldwide in autumn 2017? On the one hand, we have been able to celebrate huge progress in recent years. In a number of countries, particularly in Europe and Latin America, the equality of LGBTI has been enshrined in law, and legislation has been passed against discrimination and hate speech. Just a few weeks ago the first same-sex couples were finally able to legally marry in Germany. On the other hand, frequent setbacks still occur. I am thinking of the brutal persecution of homosexuals in Chechnya, for example. In many states, homosexuality is a criminal offence, some countries even impose the death penalty on homosexuals. And even where equality is enshrined in law, it is still not necessarily self-evident in people’s minds.

 

Berlin embodies these contradictions particularly clearly. On the one hand it is a city valued particularly in the LGBTI community for its open culture of dialogue and its tolerance of different lifestyles. On the other hand, even in Berlin, acts of violence against LGBTI still take place, in some districts homophobic views are widespread, and regressive parties win elections.

 

It will not be possible to find one single answer to the question of effective counterstrategies. Yet one thing is clear throughout the world: progress will not come automatically. It stems from the engagement of people like you, who with creativity and persistence, idealism and above all courage work tirelessly for a world in which everyone can enjoy the same human rights and the same respect. We in the Federal Foreign Office, too, can and need to do more. To achieve this we need your constructive criticism and active support.

 

I wish you inspiring discussions, a good time in Berlin and every success.

 

Michael Roth...